Welche Ladelösung passt wo hin?

PRO-CHARGE Team
Datum 29.07.2025
Lesedauer: 5 Minuten

Wallbox (AC, 11 bis 22 kW)
Die klassische Wallbox ist die bevorzugte Lösung für viele Privatpersonen. Ob im Eigenheim, unter dem Carport oder in der Tiefgarage: Eine AC-Wallbox mit 11 kW ist in den meisten Fällen ausreichend. Auch für Firmenparkplätze mit Langzeitparkern oder für Wohnanlagen (z. B. WEGs) eignet sich diese Variante.
Bei einer Ladeleistung von 11 kW kann pro Stunde etwa 20 bis 25 Kilometer Reichweite geladen werden, ideal für das Laden über Nacht oder während der Arbeitszeit. Ein großer Vorteil der Wallbox liegt in den vergleichsweise niedrigen Kosten von etwa 700 bis 1.500 Euro. Sie ist zudem netzschonend und lässt sich unkompliziert installieren, allerdings muss sie beim Netzbetreiber angemeldet werden.
Besonders wichtig: In den meisten Fällen ist eine Ladeleistung von 11 kW vollkommen ausreichend. Höhere AC-Leistungen bringen selten einen spürbaren Vorteil, da viele Fahrzeuge ohnehin nicht schneller laden können. In Mehrfamilienhäusern empfiehlt sich der Einsatz eines Lastmanagementsystems sowie eines Backends zur individuellen Nutzerabrechnung.
AC-Ladesäule (2×22 kW Typ 2)
AC-Ladesäulen mit zwei Ladepunkten à 22 kW kommen vor allem an halböffentlichen Orten zum Einsatz. Dazu zählen Supermärkte, Hotels, Parkhäuser oder Park&Ride-Anlagen. Auch Unternehmen mit Flotten oder mitarbeiterbezogener Ladeinfrastruktur setzen auf diese Lösung.
Mit einer Ladeleistung von 22 kW lassen sich pro Stunde etwa 30 bis 40 Kilometer Reichweite gewinnen – das passt hervorragend zu Aufenthaltsdauern von einer bis drei Stunden. Ein großer Vorteil ist die Möglichkeit, zwei Fahrzeuge gleichzeitig zu laden, was die Wirtschaftlichkeit deutlich erhöht. Auch der Betrieb über ein Backend mit Roaming-Funktionalität ist problemlos möglich.
Für den öffentlichen Betrieb ist die Einhaltung des Eichrechts gesetzlich vorgeschrieben. Außerdem sollte der Netzanschluss im Vorfeld geprüft werden, da für den Betrieb beider Ladepunkte eine Anschlussleistung von 44 kW (ca. 64 Ampere) erforderlich ist.
DC-Schnelllader (50 bis 150 kW)
DC-Schnellladestationen eignen sich für Standorte mit hohem Fahrzeugdurchsatz und kurzen Standzeiten – zum Beispiel an Autobahnen, Tankstellen oder Logistikzentren. Auch Flottenbetreiber, Taxistandorte oder Carsharing-Anbieter profitieren vom schnellen Laden mit Gleichstrom.
Je nach Leistung lassen sich in nur 10 bis 15 Minuten zwischen 80 und 100 Kilometer Reichweite nachladen. Dadurch können Fahrzeuge nahezu unterbrechungsfrei betrieben werden. Besonders für Dienstfahrzeuge, eTransporter oder Unternehmensflotten ist das ein entscheidender Vorteil.
Die Anschaffungskosten sind mit rund 20.000 Euro (zzgl. Netzanschluss) deutlich höher als bei AC-Lösungen. In vielen Fällen sind jedoch Förderprogramme von Bund, Ländern oder der KfW verfügbar. Wichtig ist außerdem, dass ein starker Netzanschluss vorhanden ist – unter Umständen ist auch ein zusätzlicher Transformator notwendig.
Sonderfälle: Empfehlungen für spezielle Standorte
Die ideale Ladelösung ist immer ortsabhängig. In Tiefgaragen von WEGs empfiehlt sich eine Wallbox mit 11 kW in Kombination mit Lastmanagement. Damit lässt sich die verfügbare Energie effizient auf mehrere Nutzer verteilen, idealerweise ergänzt durch ein Backend zur individuellen Abrechnung.
Hotels profitieren von einer AC-Ladelösung mit 22 kW. Hier sollte überlegt werden, ob das Laden im Zimmerpreis enthalten ist oder als kostenpflichtiger Service angeboten wird. Für Supermärkte bietet sich ein DC-Schnelllader im Bereich von 50 bis 75 kW an, so ist die Ladezeit genau auf den Einkauf abgestimmt.
Unternehmen mit vielen E-Autos sollten einen Mix aus AC-Ladepunkten für Langzeitparker und DC-Schnellladern für flexible Nutzung wählen. Dabei gilt es, Lastspitzen zu vermeiden und Betriebskosten langfristig zu optimieren.
Auch auf öffentlichen Parkplätzen ist eine durchdachte Planung entscheidend. AC-Doppellader mit Backend-Funktion sorgen für eichrechtskonforme Abrechnung, Zugangskontrolle und Roaming-Anbindung.
Fazit: Ladeinfrastruktur wirtschaftlich und zukunftssicher planen
Nicht jede Anwendung erfordert eine 300-kW-Schnellladestation. In vielen Fällen reicht eine intelligente Wallbox oder eine gut platzierte AC-Säule aus. Die Auswahl des passenden Ladepunkts sollte sich am Nutzerverhalten, der Parkdauer und dem Standort orientieren.
Wer frühzeitig plant und auf eine skalierbare Infrastruktur setzt, spart Investitionskosten und lädt trotzdem sicher und zukunftsfähig.
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