Wie komplex ist das Backend wirklich?

PRO-CHARGE Team
Datum 31.07.2025
Lesedauer: 3 Minuten
Vielfalt der Hardware: OCPP ist nicht gleich OCPP
Die meisten Ladesäulenhersteller setzen auf das Open Charge Point Protocol (OCPP), das als universelle Schnittstelle zwischen Ladepunkt und Backend dient. Doch in der Praxis gibt es viele Abweichungen: Nicht jeder Hersteller implementiert OCPP vollständig oder gleichartig. Das führt zu hohem Integrationsaufwand und macht den reibungslosen Betrieb zur Herausforderung – besonders in heterogenen Flotten oder gemischten Infrastrukturen.
Tarifmodelle & Abrechnung: Mehr als nur ein Preis pro kWh
Ein weiterer Komplexitätsfaktor: die Abrechnung. Ladepunkte müssen unterschiedlichste Nutzergruppen bedienen – von Flottenkunden über Roaming-Partner bis hin zu spontanen Ad-hoc-Zahlern. Daraus ergeben sich Anforderungen wie:
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Eichrechtskonforme Zähler
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Sichere Zahlungsschnittstellen
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Flexible Tarifsysteme (z. B. Startpreis, Zeit- oder Energiemodelle)
Ohne ein leistungsfähiges Backend ist das kaum umsetzbar.
Roaming & Vernetzung: OCPI ist kein Selbstläufer
Wer über Anbietergrenzen hinweg laden möchte, braucht Roaming. Hier kommt das Open Charge Point Interface (OCPI) ins Spiel – der Standard für die Kommunikation zwischen verschiedenen Backend-Systemen. Doch trotz der offenen Architektur ist das Zusammenspiel oft fehleranfällig und technisch anspruchsvoll. Unterschiedliche Implementierungen, Versionsstände und Sicherheitsmechanismen machen die Integration zur Daueraufgabe.
Neue Technologien: ISO 15118 & Plug & Charge
Mit ISO 15118 kommt ein weiterer Standard ins Spiel, der das Laden noch komfortabler machen soll. „Plug & Charge“ erlaubt es, dass sich Fahrzeuge automatisch am Ladepunkt identifizieren und der Ladevorgang inklusive Abrechnung ohne Benutzerinteraktion startet. Für das Backend bedeutet das:
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Verwaltung von Zertifikaten
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Sichere Kommunikation mit Fahrzeugen
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Onboarding neuer Autos und Ladesäulen
Auch das erfordert ein hohes Maß an technischer Präzision und Standardkonformität.
Gibt es einen Weg zur Vereinheitlichung?
Ja, und die gute Nachricht ist: Offene Standards setzen sich zunehmend durch. Wer sich an folgende drei Protokolle hält, ist gut gerüstet für die Zukunft:
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OCPP: Kommunikation zwischen Ladesäule und Backend
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OCPI: Vernetzung von Backend-Systemen für Roaming
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ISO 15118: Automatisierte Identifikation und Abrechnung über Plug & Charge
Zudem entstehen herstellerunabhängige Plattformen, die eine Vielzahl an Ladepunkten und Herstellern unter einer Oberfläche bündeln – mit zentraler Steuerung und besserer Skalierbarkeit.
Fazit: Einheitlicher wird’s, aber bleibt anspruchsvoll
Das Backend der Ladeinfrastruktur bleibt eine der größten Herausforderungen im E-Mobility-Markt. Doch gleichzeitig bietet es enormes Potenzial: Wer früh auf offene Standards und interoperable Lösungen setzt, profitiert langfristig von mehr Flexibilität, geringeren Betriebskosten und besserer Nutzererfahrung.
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Wir unterstützen Sie gern dabei, die passende Backendstrategie zu entwickeln und geeignete Hardwarepartner auszuwählen, inklusive der Frage, welcher Anbieter tatsächlich hinter welchem Produkt steht.







